Ethik-Kodizes

Die Pressekodizes aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bei diesem Projekt berücksichtigt worden. Generell zeigt sich, dass diese Pressekodizes oft erst auf Ereignisse reagieren, sehr printlastig sind und den Bereich Liveberichterstattung meist nur am Rande berücksichtigen. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den drei genannten Ländern. Am ausführlichsten ist das Thema in Deutschland behandelt worden, unter anderem wegen Ereignissen wie der Geiselnahme von Gladbeck im Jahre 1988.

Pressekodex (Deutschland)

Ziffer 11 des deutschen Pressekodex befasst sich mit Sensationsberichterstattung. Demnach verzichtet die Presse auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität sowie Leid und beachtet den Jugendschutz.

  • Richtlinie 11.1 – Unangemessene Darstellung: Menschen dürfen in Berichten nicht zum Objekt und damit zum bloßen Mittel herabgewürdigt werden. Werden Gewalttaten und Unglücksfälle auf Titelseiten gezeigt, soll deren mögliche Wirkung auf Kinder und Jugendliche beachtet werden.
  • Richtlinie 11.2 – Berichterstattung über Gewalttaten: Das Informationsinteresse der Öffentlichkeit soll gegen Interessen von Opfern und Betroffenen sorgsam abgewägt werden. Die Presse berichtet über die Vorgänge unabhängig und authentisch, lässt sich nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen und unternimmt keine eigenmächtigen Vermittlungsversuche zwischen Verbrechern und Polizei. Interviews mit Tätern während des Tatgeschehens darf es nicht geben.
  • Richtlinie 11.3 – Unglücksfälle und Katastrophen: Grenze beim Berichten liegt im Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Betroffene dürfen nicht ein zweites Mal zu Opfern werden.
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Ehrenkodex (Österreich)

Punkt 10 „Öffentliches Interesse“ des Ehrenkodex für die österreichische Presse berührt Bereiche der Liveberichterstattung in Terrorsituationen. Einen speziellen Punkt dazu wie im deutschen Pressekodex gibt es nicht.

  • 10.2. Öffentliches Interesse besteht bei der Aufklärung schwerer Verbrechen, dem Schutz der öffentlichen Sicherheit oder Gesundheit sowie der Verhinderung einer Irreführung der Öffentlichkeit.
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Erklärung der Pflichten der Journalistinnen und Journalisten (Schweiz)

Punkt 8 in der Erklärung der Pflichten der Journalistinnen und Journalisten in der Schweiz enthält Anregungen zur Liveberichterstattung in Terrorsituationen, die denen im deutschen Pressekodex ähneln.

  • Die Grenzen der Berichterstattung in Text, Bild und Ton über Kriege, terroristische Akte, Unglücksfälle und Katastrophen liegen dort, wo das Leid der Betroffenen und die Gefühle ihrer Angehörigen nicht respektiert werden.
Zur kompletten Erklärung der Pflichten der Journalistinnen und Journalisten (Schweiz)

Multimedia-Ethikkodex 2012

Der «New Media Journalism»-Jahrgang 2010/2012 hat in einer Projektarbeit einen Multimedia-Ethikkodex erstellt. Diesem Multimedia-Ethikkodex liegen die bisher geltenden Journalistenkodizes der Schweiz, Österreichs und Deutschlands zu Grunde.

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